Grußwort des Pfarrers

20060903_7Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.
(Mt. 2, 10)

Liebe Gemeinde, liebe Leser,

da kommen Menschen aus einem fremden Land nach Jerusalem, weil sie einem Stern folgen. Wahrscheinlich waren die sog. „Weisen aus dem Morgenland“ babylonische Astrologen, die aufgrund der Sternenkonstellation die Geburt des „Königs der Juden“ – wie sie sich selbst ausdrücken – erkannt haben: Diesen wollen sie aufsuchen, beschenken und anbeten.

Ich habe mich schon immer gefragt, ob ihnen wirklich so klar war, wen sie da gesucht und aufgefunden haben? Der Evangelist Matthäus berichte, dass König Herodes den neugeborenen König der Juden wohl mit dem Messias – dem Christus – identifiziert! Was konnten aber die Fremden, die keine Juden waren, wohl damit anfangen? Welche Vorstellungen hatten sie, als ihnen die jüdischen Hohenpriester und Schriftgelehrten den Propheten Micha auslegten? „Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“ (5, 1)

Auf jeden Fall scheint ihnen das Ereignis und das neugeborene Kind so wichtig, dass sie sich auf den weiteren Weg nach Bethlehem machen. Der Stern führt sie weiter und ihre Freude ist mehr als groß als sie das Kind mit Maria entdecken. Ich frage mich schon wieder: Was hat sie so sehr an diesem Kind erfreut? Ein armes Kind, das in einer Futterkrippe im Stall liegt. Ein Kind, das aussieht wie jedes andere auch ohne alle königlichen Insignien! Diesem Jesuskind und seiner Mutter legen sie ihre Schätze zu Füßen.

Mich würde sehr interessieren, was sie wohl von diesem Kind und ihren Erlebnissen erzählt haben, als sie wieder in ihrer Heimat waren? Hat das gereicht für ein christliches Zeugnis in der Welt?

Liebe Gemeinde, ich weiß wohl, dass niemand unter uns diese Fragen wirklich beantworten kann und doch sind sie mir auch unbeantwortet ein Trost. Denn wir müssen nicht immer alles genau klären, aufklären, beschreiben und erklären, damit wir uns wirklich an unserem Glauben und dem Kind in Bethlehem erfreuen können. Es müssen sich IHM auch nicht alle so nähern wie wir es tun! Da ist auch Platz für Sterndeuter, für Fremde, für Andersdenkende, Unwissende und Zweifelnde. Da ist letztendlich auch Platz für Dich und für mich! Hauptsache irgendetwas oder irgendwer führt uns zu IHM! Und wenn wir uns dann über ein Kind freuen können, dann ist es Weihnachten.

Ein gesegnetes und frohes Christfest wünscht

Ihr/euer Pfarrer Frank-Christian Schmitt