Grußwort des Pfarrers

20060903_7Vor Pestilenz und teurer Zeit – Vor Krieg und Blutvergießen – Vor Aufruhr und Zwietracht behüt uns, lieber Herre Gott. (ELKG 138)

Liebe Gemeinde, liebe Leser,

in den letzten Wochen gab es praktisch nur ein Thema: Corona! Das gesamte öffentliche Leben wurde heruntergefahren und selbst der Besuch des Gottesdienstes war nicht mehr möglich! So etwas hat es noch nie gegeben. Selbst im 2. Weltkrieg fanden Gottesdienste statt, wenn die Kirchen nicht zerbombt waren. In den Zeiten der Pest flohen die Menschen zu Buße und Gebet in die Kirchen. Glücklicherweise dürfen wir nun wieder Gottesdienste feiern – wenn auch mit manchen Einschränkungen. Das ist wirklich gut so, denn gerade in schwierigen Zeiten bedarf es des gemeinschaftlichen Gebetes und Flehens vor Gott und der Kraft des im Hl. Sakrament gegenwärtigen Herrn. So wie es in den Worten der alten Litanei heißt: „Behüt uns, lieber Herre Gott.“ Die Krise ist ja keineswegs beendet. Das Corona-Virus ist letztendlich noch relativ unerforscht – ebenso, was es nun genau im menschlichen Körper anrichtet oder nicht? Auch wissen wir nicht, ob es noch eine zweite Infektionswelle geben wird und wie diese verlaufen wird? Kein Mensch kann sich in Sicherheit wiegen. Und das können – wir liebe Gemeinde – eigentlich nie, denn unser aller Leben liegt in Gottes Hand „in guten wie in bösen Zeiten.“

So bittet die Litanei unseren HERRN auch um Bewahrung vor „teurer Zeit“. Wenn ich mir überlege, welche Geldmengen im Moment überall auf der Welt in die Wirtschaft gepumpt werden, dann macht mich das schwindelig. Natürlich muss etwas getan werden, um Massenarbeitslosigkeit und reihenweises Sterben von Unternehmen und Dienstleistern zu verhindern, aber wohl auch nicht um jeden Preis, oder? Die Rechnung wird – wie immer – am Schluss gemacht, doch wo ist das Ende der Krise und ihrer Auswirkungen? Wenn es dann auch noch zwischen „Riesen“ wie den USA und China knirscht, dann kann man schon ängstlich werden. Um wieviel mehr sind wir Christen gerade jetzt aufgerufen auch für den Frieden in dieser Welt zu beten. Auch für den sozialen Frieden! Gerade sind es 75 Jahre her, dass der 2. Weltkrieg und die nationalsozialistische Schreckensherrschaft beendet wurden. Ich muss gestehen: Nie hätte ich noch vor wenigen Jahren gedacht, dass so manches in unserem Land und in Europa wieder möglich sein würde! Es gab so ein Gefühl der Sicherheit und des unerschütterlichen Wohlstands. Des immer mehr und immer besser! Davon müssen wir wohl Abschied nehmen. Ich hoffe sehr, dass wir allgemein – aber auch gerade in den Kirchen – unser Vertrauen und unsere Hoffnung wieder mehr in Gott setzen und uns vor Augen führen, dass der Mensch und die Gesellschaft ohne Glauben und Orientierung verloren sind. Umkehr ist angesagt – auf vielen Gebieten des menschlichen Zusammenlebens und in ganz Europa, wenn es für alle erträglich und friedlich weitergehen soll. Hoffentlich werden die Alarmglocken auch noch nach Corona gehört!?

Bei Gott ist ja kein Ding unmöglich!

Ihr/euer Pfarrer Frank-Christian Schmitt