Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind. (Prediger 4,6)
Liebe Gemeinde, liebe Leser,
der Monatsspruch für den September stellt uns in radikaler Weise die Begrenztheit unseres menschlichen Tuns vor Augen. Um was mühen wir uns nicht alles in unserem Leben?
Da geben wir uns zum Beispiel Mühe, für eine Prüfung so viel wie möglich zu lernen – und dann haben wir doch einen Großteil davon kurz danach wieder vergessen. Da bauen wir Häuser – und dann sind sie nach wenigen Jahren schon wieder renovierungsbedürftig. Da pflegen wir unsere zwischenmenschlichen Beziehungen – und dann werden wir im Alter doch einsam, weil die meisten Freunde und Bekannten nicht mehr fit oder sogar bereits tot sind.
Nun können wir mit aller Macht gegen den Lauf der Zeit mit ihren Verfallserscheinungen ankämpfen. Wir können zwanghaft versuchen, in unserer kurzen Lebenszeit noch mehr zu schaffen und noch mehr zu sammeln: mehr Geld, mehr schöne Momente, an die man sich erinnern kann.
Der Prediger hatte solch ein erfülltes Leben und doch stellt er mit seiner ganzen Lebenserfahrung fest: Es ist alles nur ein Haschen nach Wind. Es ist der Versuch, etwas festzuhalten, was nicht festhaltbar ist.
Da es also angesichts der Vergänglichkeit dieses Lebens wenig nützt, sich panisch abzumühen, empfiehlt der Prediger genau das Gegenteil: Komm zur Ruhe. Genieße die Zeit und die Dinge, die dir geschenkt werden.
Doch wie macht man das? Wie kommen wir denn in unserem Leben zur Ruhe, wenn sich die Zeit immer weiter und vor allem auch immer schneller dreht?
Die Antwort finden wir im Neuen Testament: Indem wir zu dem gehen, der über der Zeit und der Vergänglichkeit dieser Welt steht.
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ Mit diesen Worten lädt uns Jesus Christus zu sich ein.
Bei ihm können wir ruhig werden, weil er als der Auferstandene den Verfall der Welt überwunden und den Tod besiegt hat.
Suchen wir also auch in den kommenden Monaten seine Gegenwart in den Gottesdiensten und besonders im Heiligen Abendmahl. Lassen wir uns beschenken mit Gaben, die unvergänglich sind. Wer so beschenkt ist, schaut ruhig und gelassen in die Zukunft und kann sein Leben in vollen Zügen genießen. Denn vor ihm liegt noch eine ganze Ewigkeit.
In diesem Sinne grüßt herzlich
Ihr/euer Vikar Joshua Volkmar
