Grußwort des Vikars

Jesus spricht zu Thomas: „, weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind,
die nicht sehen und doch glauben!“
(Johannes 20,29)

Liebe Gemeinde, liebe Leser,

wünschen wir uns das nicht auch manchmal, Jesus mit unseren eigenen Augen sehen zu können? Würde es uns dann nicht viel leichter fallen, an ihn zu glauben? Und würden dann nicht auch alle anderen Menschen erkennen, dass Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist? Und dass er wirklich Gottes Sohn ist? So wie Thomas zweifeln auch heute viele. Da heißt es oft: „Ich bin eher ein rationaler Mensch. Ich glaube nur an das, was ich sehe.“
In vielen Bereichen unseres Lebens ist das durchaus eine sinnvolle Einstellung. Wir können nachsehen, ob der Ofen wirklich aus ist. Wir können nachvollziehen, ob uns in diesem Monat wirklich unser Gehalt überwiesen wurde. Hier gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Aber so funktioniert das beim Glauben nicht. Denn Gott ist nicht bloß ein beobachtbares und kontrollierbares Phänomen innerhalb unserer immanenten Welt. Wenn er das wäre, dann wäre er nicht Gott. Wenn er aber wirklich der souveräne und allmächtige Gott ist, dann entscheidet er selbst, an welchen Stellen er für uns Menschen sichtbar und erfahrbar wird. Mit seinem Tadel an Thomas verdeutlicht Jesus, worauf es beim Glauben wirklich ankommt.
Glaube ist mehr als menschliches Wissen und eigene Erfahrung. Glaube ist das Vertrauen auf Gott und seine Zusagen, auch wenn wir ihn und die Erfüllung seiner Versprechen noch nicht sehen und mit unserem Verstand begreifen können. „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“, so definiert es der Verfasser des Hebräerbriefs.
Wer nicht sieht und trotzdem glaubt, der ist selig, weil er blind auf Gott vertrauen kann. Aus unseren zwischenmenschlichen Beziehungen wissen wir, dass Vertrauen nur dort entsteht, wo wir gemeinsam Zeit verbringen, miteinander reden und aufeinander hören.
Nutzen wir in den nächsten Monaten also wieder die Gelegenheit, Zeit mit Gott zu verbringen, ihn durch Andachten und Gebete in unseren Alltag zu integrieren und in den Gottesdiensten auf sein Wort zu hören. Dadurch will er uns das Vertrauen zu ihm
schenken und unseren Glauben wachsen lassen.
Und wer weiß, vielleicht blitzt dabei an der einen oder anderen Stelle auch schon etwas von der sichtbaren Herrlichkeit des auferstandenen Christus’ in unserem
Leben auf!

In diesem Sinne grüßt herzlich
Ihr/euer Vikar Joshua Volkmar