Grußwort des Pfarrers

20060903_7Liebe Gemeinde, liebe Leser,

wer sitzt eigentlich „in Finsternis“ und im „Schatten des Todes“? In dieser Jahreszeit wohl alle. Früh bricht die Nacht herein und die Macht des unausweichlichen Todes wird uns gerade an grauen Herbst- und Wintertagen besonders deutlich. Noch massiver wird es, wenn uns schreckliche Bilder von Gewalt, Terror und Krieg in den Nachrichten direkt in die gute Stube geliefert werden. Ganz nah rückt es dann an uns heran, wenn Gewalt sich mitten im Leben – mitten unter uns – entlädt. Ich will kein pessimistisches Bild zeichnen, aber ein realistisches, das an den Tatsachen nicht vorbeikommt. Die Welt ist nicht einfach schöner, weil bald Weihnachten ist. Die Welt und die Menschen in ihr, werden auch dann nicht besser, wenn ich eine „rosarote Brille“ aufsetze. Alles in allem besteht heute genauso die Notwendigkeit von irgendwo her Licht zu bekommen in den Dunkelheiten dieser Welt wie vor 2000 Jahren! Denn das „aufgehende Licht aus der Höhe“, von dem Zacharias im sog. „Benediktus“ spricht, muss auch in unserer Zeit und in unserem Leben immer wieder erscheinen. Die Geburt Christi zu feiern allein im Rückblick auf ein Ereignis in der Vergangenheit, reicht nicht um „unsere Füße auf den Weg des Friedens“ zu richten.

Gerhard Tersteegen formuliert ja so zutreffend in seinem Weihnachtschoral „Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Engel in Chören“:

Süßer Immanuel, wird auch in mir nun geboren,
komm doch, mein Heiland, denn ohne dich bin ich verloren!
Wohne in mir, mache mich ganz eins mich mit dir,
der du mich liebend erkoren. (ELKG 33, 7)

Das ist gute protestantische Mystik, die darauf vertraut, dass Christus uns von innen erhellt und im Glauben stärkt. Und wo Christus ist, da ist Licht und Leben. Ich bin überhaupt der tiefsten Überzeugung, dass der Friede Gottes nur über den Weg jedes einzelnen in diese Welt kommt. Der Friede, von dem die Engel auf dem Feld vor Bethlehem singen, ist nicht von oben her zu verordnen oder durch die Kirche zu garantieren. Er muss sich seinen Weg durch die Herzen der Menschen bahnen. So wie wir es im Advent singen:

Komm, o mein Heiland, Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein. (ELKG 6, 5)

In diesem Sinne wünsche ich reichen Besuch aus der Höhe, viel Licht in Finsternis und gute Wege zum Frieden.

Eine besinnliche Adventszeit und ein frohes und gesegnetes Christfest

Ihr/euer Pfarrer Frank-Christian Schmitt