Grußwort des Pfarrers

20060903_7Liebe Gemeinde, liebe Leser,

das große Reformationsjubiläum am 31. Oktober 2017 steht kurz bevor. Was wird es bringen? Was wird davon wirklich bleiben?

Ich bin da ganz nüchtern und sehe, dass sich doch gar nichts großartig verändern kann, weil die Erkenntnis der Reformation für alle Zeiten und Generationen eine immer wieder neu zu bewältigende Aufgabe bleibt. Ganz dicht dran am Wort des Herrn, allein auf Ihn vertrauend, dankbar anzunehmen, was uns in Christus geschenkt ist. Das, was unser Monatsspruch sagt: „Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut“, das gilt jeden Tag aufs Neue seit dem Tag unserer Taufe. „Tägliche Reue und Buße“ nennt Luther das, „den alten Adam ersäufen“, den Kampf in uns des einerseits befreiten Menschen und andererseits des Sünders, der wir immer bleiben.

Dass Martin Luther uns die falsche Sicherheit genommen hat, dass diese wirkliche innere und persönliche Buße durch irgendeine Institution, durch Zahlung von Geld oder andere menschliche Anstrengungen ersetzt werden könnte, ist bis heute heilsam.

Man mag die 500-jährige Wiederkehr des Tages, an dem Luther durch seine 95 Thesen die Kirche und alle Gläubigen zum Kern christlichen Glaubens zurückführen wollte, mit Pauken und Trompeten feiern. Das alles ist schnell vorbei und der Alltag holt uns ein! Aber genau da, muss sich der christliche Glauben bewähren. In unseren Gemeinden vor Ort, will er gestärkt und bewahrt werden. Fest verankert in der Heiligen Schrift. Durch Predigt, Unterweisung und gemeinsames Gespräch soll er wachsen und reifen und andere neugierig machen auf Christus, der allein Haupt der Kirche ist. Feste und Jubiläen können uns daran erinnern, aber sie können nicht ersetzen, was allein der Glaube bewirkt. Meine Gedanken gehen dabei auch zu den verfolgten Christen überall auf der Welt: Sie werden diskriminiert, bedroht, verfolgt, vertrieben und viele auch getötet. Sie bezahlen einen für uns „Wohlstandschristen“ inzwischen kaum mehr vorstellbaren Preis für ihren Glauben. Für Christus und die Wahrheit! Ihr Same wird der Grundstock für die Kirche der Zukunft sein, nicht unsere Rückschau auf Vergangenes. Es geht auch nicht darum „protestantisches Profil zu stärken“, sondern mit Christus das ewige Leben zu gewinnen.

Was wird also bleiben von diesem Reformationsjubiläum? Ich weiß es nicht! Was ich weiß, ist mir auch viel wichtiger: Christus wird bleiben – „das Wort Gottes bleibt ewig“ und „die Pforten der Hölle“ werden die Gemeinde Jesu Christi nicht überwinden. Und wir sind unterwegs zu IHM – in die Ewigkeit! Deshalb gilt heute, am 31.10.2017 und danach: „Das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1, 15)

Ihr/euer Pfarrer Frank-Christian Schmitt