Grußwort des Pfarrers

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Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.
(Monatsspruch August 2018: 1. Johannes 4, 16)

Liebe Gemeinde, liebe Leser,

Liebe lässt sich leicht aussprechen und besingen, aber umso schwerer im Leben
umsetzen. „In der Liebe zu bleiben“
– wie es Johannes schreibt-, das ist gar nicht so einfach.
Im Grunde ist das Problem, dass wir uns von Gott getrennt haben, denn wenn „Gott die Liebe ist“, dann zeigt doch unser Defizit an Liebe wie sehr es an Gott fehlt in dieser Welt. Ja, „Gott ist die Liebe“ – ER ist die vollkommene Liebe, die sich vor allem in Jesus Christus zeigt. Und ganz anders als bei uns, kann Gottes Liebe nicht erkalten, weil ER unveränderbar ist: ER ist der EWIGE, der ALLMÄCHTIGE, das LICHT, die WAHRHEIT und das LEBEN.
Und eben auch die LIEBE! Das eine ist vom anderen nicht zu trennen. Deshalb wird Wahrheit ohne Liebe immer zur Rechthaberei. Und ohne Wahrheit wird aus Liebe irgendwann Beliebigkeit.Es ist letztendlich gut, dass wir Gott und Liebe eben auch nicht trennen können. Wer lieblos und freudlos seinen christlichen Glauben meint zu leben, gibt sich selbst das
schlechteste Zeugnis. Niemand kann sich dabei auf Jesus Christus berufen. Ganz im Gegenteil, denn ER zeigt uns wie wahre Liebe wirklich ist: In Seiner bedingungslosen Liebe zu uns, die am Ende auch vor dem schrecklichen Tod am Kreuz nicht
zurückschreckt. Wer sich auf IHN beruft, muss sich auch auf Seine Hingabe und Liebe berufen. Am Ende ist ein Leben ohne Liebe vergeblich, weil es immer auch ein Leben ohne Gott ist. Und wo Menschen von Herzen und uneigennützig lieben und sich der
Not des Nächsten erbarmen, da sind sie Gott näher als manche selbst zugeben wollen. Der große katholische Theologe Karl Rahner (1904-1984) nannte sie „anonyme Christen“, weil sie im Sinne Jesu handeln ohne es zu wissen. Ganz so wie Jesus es ja schon selbst schildert in seinem großen Gleichnis vom Weltgericht am Jüngsten Tag: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Mt. 25,40)
Wieviel mehr sollte uns da die Liebe antreiben, wenn wir um Gottes Liebe in Christus zu uns wissen! Eben auch uns gegenüber
bedingungslos – gratis – allein aus Gnaden – allein um Jesu
Willen!? Unsere Glaubwürdigkeit hängt davon ab, ob wir nur von der Liebe Gottes sprechen oder ob sie uns bestimmt und wir sie weitergeben. Die Welt braucht auf jeden Fall ein mutiges Zeugnis für den Gott der Liebe und viel mehr Menschen, durch die die
Liebe Gottes spürbar wird. Bitten wir deshalb mit Worten von
Johann Scheffler (1657), was wir sooft singen:
„Liebe, die du mich erkoren, eh ich noch geschaffen war,
Liebe, die du Mensch geboren und mir gleich wardst ganz und gar:
Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.“
(ELKG 255, 2)
Ihr/euer Pfarrer Frank-Christian Schmitt